aktuell

Auf­grund der grossen Nach­fra­ge sind wir mit

 

Die Kasten­vög­tin wie­der da. 

 

Regie Nel­ly Bütik­o­fer Spiel Pris­ca Gaf­fu­ri Musik Mar­co Kur­mann

Musi­kar­ran­ge­men­te Hans­jörg Römer Licht­kon­zept Chri­sta Wen­ger 

Aus­stat­tung Rita Ett­lin Pro­duk­ti­on Statt­thea­ter Schwyz

 

Frei­tag 5. Mai 2017

Sams­tag 6. Mai 2017

Mitt­wo­ch 10. Mai 2017

Frei­tag 12. Mai 2017

Sams­tag 13. Mai 2017

 

Vor­ver­kauf ab 12. April 2017  
jeweils Di – Fr 14.00 Uhr – 17.00 Uhr 

d’Waldfee, Eisen­gas­se 1, 6440 Brun­nen
041 820 19 94, sylvia@dwaldfee.ch
Ein­tritt CHF 28.00 / CHF 18.00

Kas­sen­öff­nung und Bar­be­trieb im Thea­ter Schwyz (Bahn­hofstrasse 178, 6423 See­wen SZ) jeweils ab 19.30 Uhr. Vor­stel­lungs­be­ginn 20.30 Uhr, die Plät­ze sind nicht num­me­riert.

 

Die Geschich­te der letz­ten Hexe aus dem Muo­tat­hal.

von Nel­ly Bütik­o­fer und Pris­ca Gaf­fu­ri

 

Die Geschich­te
In „Das Lachen der Hexe“ erzählt Mar­grit Schri­ber die Geschich­te der letz­ten zur Hexe ver­ur­teil­ten Frau im Muo­tat­hal. Anna Maria Schmi­dig ist unschul­dig. Wie konn­te sie in den unge­heu­er­li­chen und unfass­ba­ren Ver­dacht gera­ten? Eine Fra­ge, die sich aus heu­ti­ger Sicht kaum beant­wor­ten lässt. Eine Geschich­te, die mit uns in unse­rer Zeit nichts zu tun hat? Oder doch? 

Facet­ten dar­aus erzeu­gen auch in der Gegen­wart einen Wie­der­er­ken­nungs­ef­fekt. In ande­rem Aus­mass, mit ande­rem Hin­ter­grund.

Die Hexen­ver­fol­gung ist ein trau­ri­ges Kapi­tel in der Geschich­te des Chri­sten­tums. Es gab vie­le dif­fu­se und irra­tio­na­le Grün­de, eine Frau als Hexe zu ver­däch­ti­gen. Frau­en, die sich die Frei­heit nah­men, frei zu den­ken und zu ent­schei­den. Frau­en, die viel oder sogar mehr als die nach gel­ten­der Ord­nung höher ein­ge­stuf­ten Män­ner wuss­ten. Frau­en die sich nicht unter­war­fen. Schö­ne, häss­li­che, jun­ge, alte Frau­en. Sie alle hat­ten etwas an sich, das auf Wider­stand stie­ss und vie­le ende­ten aus die­sem Grun­de auf dem Schei­ter­hau­fen.

 

Hin­ter­grün­de
Anna Maria Schmi­dig, spä­ter die Kasten­vög­tin genannt, gebo­ren 1678, war die Toch­ter des Seba­sti­an Schmi­dig und der Verena Ulrich aus Stei­nen. Der ver­wit­we­te Kasten­vogt Leon­hard Gwer­der hielt um die Hand von Anna Maria Schmi­dig an. Das war wahr­schein­li­ch der erste Fun­ke für ihre spä­te­re Ver­fol­gung als Hexe. Kasten­vogt war ein ehren­vol­les Amt, und dass aus­ge­rech­net ein Kasten­vogt eine „Aus­wär­ti­ge“ ehe­lich­te, d.h. nicht aus dem Muo­tat­hal stam­men­de, war ein Stein des Ansto­sses. Hin­zu kam, dass sie zum Zeit­punkt der Hei­rat bereits 28 Jah­re alt war und kör­per­li­ch eher miss­ge­stal­tet. Was immer das für die dama­li­ge Zeit hei­ssen moch­te.

Nach ihrer Hei­rat stell­te sich auch her­aus, dass Anna Maria äusser­st tüch­tig war. Sie führ­te ein Wirts­haus und einen Krä­mer­la­den. Dort konn­ten die Dorf­be­woh­ner alles was das Herz begehr­te erwer­ben, wor­über man sich spä­ter auch dem­entspre­chend wun­der­te. Sie gebahr zwei Töch­ter und zwei Söh­ne, war auch den zwei Kin­dern aus erster Ehe Leon­hards eine gute Mut­ter.

Der Kasten­vogt starb 1726. Erst nach dem Tod ihres Ehe­manns wur­den mehr und mehr Stim­men laut, die sie als Hexe ver­schrien. Es gibt unzäh­li­ge Geschich­ten über die Kasten­vög­tin, unglaub­li­che Geschich­ten über Tier­ver­wand­lun­gen, Besu­che der Hexen­sab­ba­te, Wet­ter­ma­chen und vie­le mehr. Und doch dau­er­te es gan­ze 27 Jah­re lang, bis man sie als Hexe ein­sperr­te. Sie leg­te auch unter den schlimm­sten Fol­te­run­gen kein Geständ­nis ab. Sie starb 1753 auf Grund ihrer schwe­ren Ver­let­zun­gen, 75 Jah­re alt, im Turm zu Schwyz. 

Bis heu­te wur­de der Pro­zess nicht mehr auf­ge­rollt. Sie wur­de also nie wie­der in ihre bür­ger­li­chen Ehren ein­ge­setzt. Ihre Geschich­te heu­te noch­mals auf­zu­rol­len soll ein Bei­trag zu die­sem Ver­säum­nis lei­sten, wel­ches ande­ren „Hexen“, wie zum Bei­spiel Anna Göl­din, längst zuteil wur­de.

 

Bezü­ge
Vie­le Sagen, die man sich über Hexen erzählt, sind aus­tausch­bar. So sind wir z.B. auf fol­gen­de Geschich­te aus dem Urner­land gesto­ssen. Die Ver­bin­dung besteht nicht nur in Bezug auf den Namen, son­dern auch auf die Aus­sa­gen selbst.

Die Kasten­vög­tin von Ursern über­nach­te­te auf ihren Wan­de­run­gen durch das Urner­land häu­fig bei der Fami­lie des Mel­chi­or Jauch in Sile­nen. Eines Abends sag­te sie,  Mor­gen wer­de es wohl einen hei­ssen Tag geben.  Am näch­sten Tag begeg­ne­te ihr in der Schöl­le­nen der Tone­li Mül­ler, ein Säu­mer von Ursern mit einem schö­nen, koh­len­schwar­zen Ross. Die Hexe hielt ihn auf, schlug dem Tier mit der Hand auf die Laf­fe und mein­te, das sei ein schö­nes schwar­zes Pferd.  Weni­ge Minu­ten spä­ter fiel das Saum­tier mit­samt dem Bast in das Tobel und wur­de von der wil­den Reu­ss weg­ge­spült. Der Geschä­dig­te, der die Hexe wohl kann­te, eil­te ihr nach und traf sie auf dem Fried­hof­gar­ten in Ander­matt, wo sie bei einem Weih­was­ser­stein stand, mäch­tig die Augen ver­dreh­te und mäch­tig Weih­was­ser über die Grä­ber spritz­te. Rasch pack­te sie der star­ke Säu­mer beim Haar­schopf, hob  sie in die Höhe und dreht sie drei­mal im Krei­se. Jetzt war sie gefan­gen und wur­de ver­brannt. 

 

Zur Insze­nie­rung
Das Stück wei­st mit Sinn­lich­keit, Gei­st und Humor zuge­ord­ne­te Opfer­rol­len zurück. Es liegt uns fern, mit die­sem The­ma den mora­li­schen Zei­ge­fin­ger zu erhe­ben oder Gräu­el­ta­ten aus alten Zei­ten doku­men­ta­ri­sch auf die Büh­ne zu zer­ren. Viel­mehr stel­len wir Bezü­ge zu unse­rer Zeit, zu unse­ren Äng­sten und Vor­ur­tei­len her und neh­men eine kri­ti­sche und enga­gier­te Hal­tung gegen­über Dis­kri­mi­nie­rung, wie sie im Jetzt gesche­hen, ein. Mit Iro­nie und Leich­tig­keit wird der Zugang zum Stoff erleich­tert.

Das Schick­sal der Anna Maria Schmi­dig berührt uns, trifft uns. Ihre Geschich­te wird in unse­rer Insze­nie­rung authen­ti­sch erzählt. Mit den ver­schie­de­nen Dar­stel­lungs­for­men von Musik, Lie­dern aus dem hie­si­gen Volks­gut, Tanz und Spiel ent­steht eine Frau­en­fi­gur, die mit ihren Denk­mu­stern und ihrer Lebens­wei­se auch an gesell­schaft­li­che Gren­zen unse­rer heu­ti­gen Zeit stösst. Ein Frau­en­the­ma? Von einer Frau gespielt und aus Frau­en­sicht insze­niert? Wir sind der Ansicht, dass es sich bei die­sem Stoff um ein The­ma han­delt, das alle etwas angeht. Die „Frau­en­sicht“ soll weder aus­gren­zen noch aus­schlie­ssen, sie soll mit­ein­be­zie­hen.

Die Regie
Nel­ly Bütik­o­fer
, Frei­schaf­fen­de Cho­reo­gra­fin und Regis­seu­rin im Bereich Tanz und Thea­ter. Künst­le­ri­sche Lei­tung der Büh­ne Fas­son Thea­ter in Lachen und des Fabrik Thea­ters in Rap­pers­wil. 1988 Aus­zeich­nung für Cho­reo­gra­fie der Stadt Zürich, 1993 Kunst­preis für Tanz des Kan­tons Solo­thurn, 2004 Aus­zeich­nung der Stadt Zürich für ihr künst­le­ri­sches Schaf­fen
 
Die Schau­spie­le­rin
Pris­ca Gaf­fu­ri arbei­tet als Schau­spie­le­rin, Spre­che­rin  und Thea­ter­päd­ago­gin. Ihre Aus­bil­dung als Schau­spie­le­rin absol­vier­te sie an der Schau­spiel­ge­mein­schaft in Zürich. Sie war Mit­glied der thea­ter­fal­le zürich und Mit­grün­de­rin und Schau­spie­le­rin des Hof­statt Thea­ters Schwyz. Als Initi­an­tin und Regis­seu­rin meh­re­rer Klein- und Gross­pro­jek­te, u.a. die Musi­cals Annie und Fame, hat sie ihren Erfah­rungs­be­reich stets erwei­tert. Seit 2003 festes Ensem­ble­mit­glied des Histo­ri­schen Muse­ums in Luzern.
 
Der Musi­ker
Mar­co Kur­mann mit Jahr­gang 1980 ist in Ettis­wil auf­ge­wach­sen, nun wohn­haft in Sem­pach, stu­dier­te an der Musik­hoch­schu­le Luzern klas­si­sches Schlag­zeug bei Prof. Erwin Bucher und Rapha­el Chri­sten. Die­sen päd­ago­gi­schen Stu­di­en­gang schloss er mit dem Höchst­prä­di­kat ab und wur­de mit dem För­der­preis der Maria und Wal­ter Strebi-Erni Stif­tung aus­ge­zeich­net. 2006–2008 absol­vier­te er das Orche­ster­di­plom an der Hoch­schu­le der Kün­ste in Zürich bei Prof. Hor­st Hof­mann und Rai­ner See­gers, wel­ches er mit Aus­zeich­nung been­de­te.

Auto­rin
Mar­grit Schri­ber wur­de 1939 in Luzern als Toch­ter eines Wun­der­hei­lers gebo­ren und ver­brach­te ihre Jugend in Brun­nen und Küß­nacht am Rigi. Bank­an­ge­stell­te, Buch­hal­te­rin, Man­ne­quin und Foto­mo­dell waren Umwe­ge zu dem von Anfang an gesetz­ten Ziel: Schrift­stel­le­rin zu wer­den. Sie lebt in Zofin­gen und in der fran­zö­si­schen Dordo­gne. Ihr Inter­es­se auch an Urge­schich­ten: „Weil ich wis­sen will, woher wir kom­men. Was um uns geschieht. Wel­chen Zusam­men­hang unser Pla­net mit dem Uni­ver­sum hat. Weil ich in die Zukunft schau­en will.“